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MG

Schmierentheater

"Linkspolitischer Inhalt, der traurig stimmt"?
Theatervereinsvorsitzender Tilo Kummer weist anonym erhobene Vorwürfe gegen die Föderpraxis des Freistaats im Kulturbereich zurück

„Frau Schildburg und Herr Hausen“ suchen oft über mehr oder minder lange Texte den Weg in die Öffentlichkeit.

Dass die Autoren dabei nur unter Pseudonym schreiben, verwundert nicht, denn zumeist beschränken sich die Äußerungen auf Häme gegenüber in den Augen der Urheber missliebige Personen oder Aktivitäten. Dazu kommt im Artikel „Theater, Theater (Teil2)“ vom Samstag noch Unkenntnis über die wirklichen Vorgänge. So hat nicht die „Junge Bühne“ die Vergabe von Fördermitteln beantragt, sondern der Theaterverein Hildburghausen. Die „Junge Bühne“ war mit dem Anspruch angetreten, in Hildburghausen neben der Amateurbühne ein professionelles Bühnenangebot vorzuhalten.  Eingebunden waren in diese Arbeiten neben Doreen Olbricht die Regisseurinnen Elke Büchner und Patricia Hachtel sowie mehrere Berufsschauspieler, welche von ihrer Kunst auch leben müssen. Eine angemessene Bezahlung von Künstlern für Ihre Arbeit ist übrigens auch Ziel der Förderung des Kulturministeriums und damit Voraussetzung, um Fördermittel zu erhalten!

Unterstützung erhielt die Junge Bühne seit ihrer Gründung von der Amateurbühne, dem Theaterverein, der Stadt und dem Landkreis Hildburghausen sowie zahlreichen Sponsoren, meist aus der hiesigen Wirtschaft. Alle Partner hatten erkannt, dass die Zielsetzung des „Jungen Bühne“, vor allem zielgerichtet für junge Menschen Angebote zu erarbeiten, grundsätzlich richtig und für die Gesellschaft von großem Wert war. Die weiterhin mit ihren bewährten Stücken aktiven Mitglieder der Amateurbühne haben das zusätzliche Angebot im Wissen um die Unterschiedlichkeit beider Profile von Anfang an begrüßt.

Im Laufe der letzten Jahre kamen so Produktionen wie ein Loriot- Silvesterprogramm, „Bis ans Limit“ (zur Suchtproblematik), "Die faulste Katze der Welt" (von der Kinderautorin Gertrud Pigor), „Prinz Pommes“ (zu Ernährungsfragen) und „Krieg. Stell Dir vor, er wäre hier“ (zum Thema Flucht und Vertreibung) zustande. Allesamt gefördert durch den Freistaat Thüringen, so wie der Freistaat auch andere Theater und Ensemble fördert.

Nun war eine Produktion zum Schicksal der beeindruckenden christlichen Antifaschistin Sophie Scholl vorgesehen. Diese junge Frau, ermordet von der Nazijustiz in München, wurde nach 1945 für Millionen junger Menschen zum Symbol für ein aufrechtes Gewissen, Menschlichkeit und Mut. Im bei den Schreibern üblichen herabwürdigenden Ton wird das Stück zum „linkspolitischen Inhalt“ deklariert, welcher „traurig stimmt“. Das sagt mehr über die beiden Schreiber aus, als über alle von ihnen Kritisierten.

Leider wird die Junge Bühne die Geschichte der Sophie Scholl nicht in bewährter Weise im Theater und in Schulen der Region darbieten können. Obwohl das Land auf Antrag des Theatervereins eine großzügige Förderung in Aussicht stellte, könnte die Umsetzung nicht realisiert werden. Die auf Grund der Personalsituation im Stadttheater begrenzten Nutzungsmöglichkeiten ließen die notwendigen Proben für das Stück in den zeitlichen Spielräumen der noch in anderen Engagements gebundenen Künstler nicht zu.

Der Theaterverein dankt der Jungen Bühne Hildburghausen ganz herzlich für die jahrelange gute Zusammenarbeit und hofft, dass sich in Zukunft wieder Möglichkeiten ergeben, das schauspielerische Können von Doreen Olbricht und ihren Mitstreitern auf der Bühne des Stadttheaters zu erleben!

Tilo Kummer